Die Begegnung mit der Arbeit von Toni Scheubeck
(geb. 1948) hat in mir echte Begeisterung geweckt. Er studierte an der
Münchner Akademie in einer Zeit, in der ihn die Strenge der
Monochromie als kreativer Prozess einnahm. Seit 1978 lockte ihn immer
mehr die Umwandlung neuer konzeptioneller Probleme in eine
technologisch schwierige Sprache - die Bildhauerei.
In Pilsen ist es jetzt gelungen, einen
repräsentativen Überblick über seine Arbeit mittels
einer Auswahl seiner bedeutendsten Werke vorzubereiten. Der erste
Kellerraum ist einer Kollektion liegender Skulpturen gewidmet, meist
aus Basalt, in denen er eines seiner Schlüsselthemen
veranschaulicht: die Entdeckung einer bestimmten geometrischen Form,
indem die oberste Schicht des gewählten Materials abgehauen wird -
zum Beispiel ist Diptychon Doppel (für Blinky Palermo), 2005, eine
Homage an einen der radikalsten Innovatoren in der europäischen
reduktiven Kunst der 60er Jahre. Nur zwei Schattierungen von Basalt,
schwarz und hell, bilden durch das Abhauen die Paraphrase einer
Minimalform der "transkribierten" Handschrift des Bildhauers.
Ebenso wird der nächste Raum dominiert von "Weg nach
Passau" (1996), gewöhnliche Pflastersteine, in denen der
Künstler durch allmähliches Abschleifen versteckte schwarze
Formen "entdeckt". Darin ist seine Interaktion einzigartig -
er weiß, dass mit der Zeit ein andersfarbiges, in diesem Fall
schwarzes, Element erscheint - aber finden muss er es durch
allmähliches Entfernen von Material, und ein gewisses Maß an
Unsicherheit ist im Schaffensprozess ebenfalls vorhanden. Aber sobald
sie auftritt, schafft er daraus eine ergänzende schwarze Form.
Alles spielt sich nur durch das allmähliche
Entfernen von Material ab. Es ist ein Konzept, das man leicht
verbalisieren kann, aber der bildhauerische Ansatz macht es
einzigartig, sowohl in der Intention als auch in der Umsetzung. Auch in
den Paraphrasen eines Zen-Gartens (2003) umgibt der den von Material
her andersartigen Kern mit schrittweise größer werdenden
Kreisen…Sein weiteres großes Thema ist ebenfalls für
die bildhauerische Ausdrucksweise fast unmöglich - ich denke dass
François Morellet als erster darauf hingewiesen hat, dass die
Verwandlung der gewählten Form, indem der Betrachter seine
Position wechselt, Kommunikationsmöglichkeiten eröffnet. Der
in den Kellerräumen gezeigte Teil der Ausstellung endet mit
schwarzen Granitwürfeln mit den Bezeichnungen "Das ist kein
Quadrat", "Das ist keine Spirale" usw. (2010), mit
deutlichem Verweis auf das legendäre Bild einer gemalten Pfeife
von René Magritte mit der Bezeichnung Ceci n'est pas une pipe -
Dies ist keine Pfeife. Scheubeck bildet schöne Würfel, in
denen dieses semantische Paradoxon mittels geometrischer Formen und
Veränderungen des Ortes der Wahrnehmung Gestalt annimmt.
Beziehungen sind das Hauptthema dieses Künstlers, zum Beispiel in
so schönen Solitairen wie den Installationen von morphologisch
reichen Haselnusszweigen, die dann "umgeschrieben" wurden
durch das schrittweise Biegen einer langen Metallstange oder das
Vermischen des oberen und unteren Teiles eines Stückes Stein und
eines Stückes eines Holzstammes. Diese hervorragende Auswahl von
Skulpturen wird durch ebenso qualitative, ebenso beziehungsreich
motivierte Zeichnungen bereichert. In der Gruppe Rotationen (2006)
verwendet der Künstler eine einfache Kartonmaske - ein Quadrat
oder Oval - und durch mehrfache Wiederholung schafft er eine komplexe
repetitive Struktur, darüber hinaus ist als weitere konzeptionelle
Beziehung eine Zeichnung dargestellt und unter ihr eine aufgeklebte
Schablone. Ausgesprochen faszinierend sind die leeren Vierecke, die
einmal von Menschenhand gezeichnete Konturen und dann wieder durch
Stacheldraht oder das Fragment eines Labyrinths begrenzt sind. In
diesen neuesten Arbeiten aus dem Zyklus "Tesagramme" (der
Name ist von der Marke des Klebebandes abgeleitet) - entstehen durch
Abkleben verschiedene Gebilde, angefangen beim Viereck. Ich bin
überzeugt dass die Arbeit von Toni Scheubeck eine echte Entdeckung
für unsere heimische Szene ist.
Jiri Valoch